Eine Studie will bewiesen haben, dass das Lesen digitaler Texte besser sei, weil sie für das Gehirn leichter aufzunehmen sind. Diese Nachricht machte auf der Frankfurter Buchmesse die Runde. Dies scheint der E-Book Lobby ganz recht zu sein, entwickelt sich doch das E-Book lesen in Deutschland, verglichen mit anderen Ländern etwas schleppend.

Neue Erkenntnisse in der Lesequalität von E-Books?

Ist E-Books lesen besser?Pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse stellte der Leiter des Instituts für Buchwissenschaft Dr. Stephan Füssel eine von der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH finanzierte Studie vor. Sie besagt prinzipiell, dass E-Book Reader und Tablet Computer nicht bewusst wahrnehmbare, aber messbare Vorteile bei der Verarbeitung von neuen Informationen den Papierseiten gegenüber haben. Außerdem könnten ältere Menschen auf einem E-Book Reader deutlich schneller lesen. Somit sei der E-Book Reader dem gedruckten Buch deutlich überlegen.

Birgt das E-Book objektive Vorteile beim Lesen?

Die Meinungen und Forschungen gehen auseinander. Ein Beratungsunternehmen aus Frankreich, das auf Benutzerfreundlichkeit spezialisiert ist, will bewiesen haben, dass man beim Lesen auf Papier konzentrierter ist, als beim E-Book lesen. Das Auge verweile länger auf einzelnen Punkten, wenn es auf gedrucktem Papier liest. Die Autoren meinen, dass die Probanden sich an den Inhalt einer Papierseite besser erinnert hätten. Anders will ein dänischer Berater für Webdesign keine signifikanten Unterschiede in der Lesegeschwindigkeit bei E-Book Readern, Tablet Computern oder einer Papierseite festgestellt haben. Diese Untersuchungen wurden unter marktwirtschaftlichen Motiven angestellt und Ihre Aussagekraft ist eher bedenklich. Seriöse Erkenntnisse unabhängiger Forschungsinstitute hinsichtlich der Lesequalität von E-Books fehlen bisher.

Welchen Wert hat die E-Book Studie von Dr. Füssel?

Es gibt keine abgeschlossene Studie im akademischen Sinne. Diese Absolution des E-Books wurde medienwirksam verkündet. Bei näherer Betrachtung entpuppt sie sich als eine ausführliche Pressemitteilung mit eine paar Balkendiagrammen aufbereitet. Die Medien schienen kritiklos begeistert und stürzten sich darauf, offenbar ohne je die Studie eingesehen zu haben. Die Studie hält jedoch trotz positiver Aufnahme in den Medien wenig stand, da lediglich zwei Methoden, das Eyetracking und die Messung von Hirnströmen genannt wurden. Auf Anfrage, von den Autoren nähere Informationen zur E-Book Studie zu bekommen, wird man mit der Aussage abgewimmelt, die wissenschaftlichen Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

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