Die Leipziger Buchmesse hat gezeigt, dass sich der Buchhandel und die Verlagswirtschaft auf die Digitalisierung des Buchmarktes vorbereiten. Aber aktuelle Verkaufszahlen sagen weiterhin, dass das Interesse am Ebook in Deutschland weit hinter dem guten alten Printprodukt liegt. Der deutsche Leser greift immer noch gern zum gedruckten Buch, obwohl die Nachfrage am Online Lesen weiterhin steigt. Ob man das haptische Erlebnis eines Buches bevorzugt oder neue Romane online lesen möchte, ist wohl eher eine geschmackliche und kulturelle Frage. Die Digitalisierung der Bücher sollte allerdings nicht auf Kosten der Verlage und Autoren geschehen, die ihr geistiges Eigentum zur Veröffentlichung freigeben, aber auch unterstützt werden wollen.

Der digitale Buchmarkt – Für und Wider

Allein vom Schreiben zu leben, ist heutzutage kaum einem Autor vergönnt. Der Autor steckt in einem kleinen Dilemma – er will gelesen werden und möchte gern davon leben können. Das Risiko einen völlig unbekannten Autor zu veröffentlichen, gehen viele Verlage nicht ein. Eine Buchproduktion ist einfach sehr teuer und verlangt intensive Arbeit von einem Verlag. Dass heißt, man muss sich als Autor anderen Möglichkeiten zuwenden. Das aktuelle Beispiel der amerikanischen Jungautorin Amanda Hocking zeigt, dass man auch ohne Verlag in Eigenregie seine Leser finden kann. Sie hat die Digitalisierung des Buchmaktes richtig für sich genutzt und ihr Buch als Ebook für sehr wenig Geld selbst online lesen lassen. Die Vermarktung und Verbreitung passierte von ganz allein. Heißt das aber jetzt, die Arbeit eines Verlages ist hinfällig und jeder Autor sollte seine Werke kostenlos online lesen lassen? Amanda Hocking hat einen Nerv getroffen und die Art von Literatur geschrieben, die ein großes Publikum findet. In ihrem Fall ist die Verbreitung des digitalen Lesens ein Segen. Die junge Autorin erreichte schnell, unkompliziert und kostengünstig ihre Leser. Wenn es sich aber um weniger massentaugliche oder populäre Bücher handelt, sollte dann jeder Autor seine Texte online anbieten? Ist der klassische Weg über einen Verlag und dessen unschätzbare Arbeit unmodern und nicht mehr zeitgemäß?

Kaffee zur Arbeit oder Beim Online Lesen

Ich bin der Meinung, dass ein junger Autor die Möglichkeiten des Ebooks sowie Online Lesen und die damit globale Verbreitungsmöglichkeit seiner Texte durchaus nutzen sollte. Hat das Buch erst einmal Leser, wird sich die Qualität schnell herumsprechen und die wirklich interessierten Leser werden einen angemessenen Preis dafür zahlen. Bücher online lesen ist bequem und einfach, weil der Leser schnell, umkompliziert und günstig an gute Texte kommt. Für den Autor bleibt aber immer noch die Frage nach dem Preis und der Finanzierung seiner Leistung. Auch ein Buch zu schreiben, das andere unterhält, kann man als eine Art Dienstleistung betrachten. Für eine neue Frisur zahlen wir auch, wieso dann nicht auch für Bücher?

Einer massenhaften Verbreitung von digitalen Büchern durch Google wurde jetzt der Riegel vorgeschoben. Seit Jahren schon läuft ein Verfahren gegen Google. Das Unternehmen bietet mit dem Online Dienst Google Books das Online Lesen bestimmter Bücher an, die keinen Lizenzen mehr unterliegen. Gegen eine größere Zahlung an Autoren und Verleger wollte das Internet-Unternehmen jetzt auch massenhaft aktuelle Neuerscheinungen scannen und für das Online Lesen aufbereiten. Wo bleibt aber die Unterstützung des Autors und die Wertschätzung der qualitativen Arbeit eines Verlages, wenn Bücher online lesen nichts kostet?

Die digitale Bibliothek als Variante für kostenfreies Online Lesen

Beim Online Stöbern bin ich auf das neue Projekt Onleihe gestoßen – ein Online-Verbund deutscher Bibliotheken, die das Online Ausleihen elektronischer und digitaler Medien ermöglichen. Diese Variante von Online Lesen halte ich für sehr bequem, einfach und fair. Denn man kann kostenlos Bücher online lesen und unterstützt dennoch den Autor teilweise, da die Bibliothek ein Kontingent an Büchern beim Verlag oder Autor kauft. Nichts, auch keine geistige Arbeit, sollte für umsonst sein, auch wenn die digitalen Möglichkeiten für den Leser äußerst bequem sind. Ich fände auch eine Art Plattform super, wo man im Abo für einen bestimmten Betrag Bücher online lesen kann.

Wer solch ein Angebot kennt oder eine differenzierte Meinung zum Thema „Online Lesen um jeden Preis?“ hat, der ist herzlich eingeladen sie hier loszuwerden.

* Bildquelle: “Kaffee zur Arbeit” von Holger Hecklau via aboutpixel.org

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