Archiv für Januar 2010

Meine heutige Empfehlung gilt zur Abwechslung nicht einem Portal oder einer großen Auswahl an kostenlosen E-Books, sondern nur einem einzigen. Aber das verdient einen eigenen Eintrag in diesem Blog.

Little Brother by Doctorow

Little Brother ist ein Roman, der im Titel schon deutlich auf die beinhaltende Thematik verweist: Leben im Überwachungsstaat. Den Titel “Little Brother” wählte der Autor Cory Doctorow für seinen 2008 erschienenen Roman bewusst in Anlehnung an 1984 von Orwell.

Es geht um Marcus Yallow alias w1n5t0n, alias M1k3y. Dieser wohnt in einer fiktiven (aber nicht allzu unrealistischen) Zukunft, in der San Francisco nach einem Terroranschlag zum Polizei- und Überwachungsstaat mutiert. w1n5t0n (Winston) ist Hacker und hält nicht viel von Überwachung, was ihm natürlich eine Menge Ärger einbringt.
Aber ich will hier nicht einen Inhaltsangabe liefern, denn die kann der geneigte Leser auch auf Wikipedia nachlesen.

Das Buch erscheint im März als “kommerzielle Version” in der Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn bei rororo.
Da das Buch aber vom Autor mit CC-Lizenz veröffentlicht wurde und dank hervorragender Übersetzerleistung auch im Deutschen für alle frei zugänglich gemacht wurde, kann jeder “für umme” in den Genuss des Buches kommen.

Christian Wöhrl hat sich als Fan die Mühe gemacht und das Werk als CC-Version ins Deutsche übersetzt. Das E-Book als kostenlose PDF findet sich hier.

Bin jetzt mal faul und kopiere aus meinem Nachwort (und ich aus seinem :) :

Im 13. Kapitel von „Little Brother“ heißt es in einer E-Mail an den Helden: „Hier in Deutschland haben wir eine Menge Erfahrung damit, was passiert, wenn Regierungen außer Kontrolle geraten.“ Nun ist Deutschland im Jahre 2008 sicherlich kein totalitärer Staat, doch die aktuelle Sicherheitsgesetzgebung (Stichworte hier etwa: Vorratsdatenspeicherung, E-Pass, BKA-Gesetz, Fluggastdatenerfassung) lässt die Einschätzung von Bürgerrechtsaktivisten, hier werde der schleichende Umbau zu einem Überwachungsstaat vorangetrieben, zumindest nicht völlig abwegig erscheinen.

Vor diesem Hintergrund wollte ich nicht darauf warten, ob und wann Cory Doctorows Little Brother – der sich eben nicht nur als spannender Entwicklungsroman über und für junge Erwachsene lesen lässt, sondern auch als Plädoyer für angemessenen zivilen Ungehorsam und gegen undifferenzierte Terror-Hysterie – in einer deutschen Übersetzung erscheint.


Ob die Qualität der Übersetzung mit der “kommerziellen” mithalten kann, weiß ich nicht, da ich noch nicht alle Versionen zum Vergleich gelesen habe. (habe es jedoch vor, denn das Buch eignet sich für mehr als einen Lesedurchgang)
Die Welle der freiwilligen Helfer rollt fleißig weiter und der “rollmops” stellt hier diverse E-Book-Formate zur Verfügung.

Das englische Original gibt’s natürlich ebenfalls als gratis E-Book nach einem Klick genau <hier>.

Außerdem gibt es diverse Versionen von “Little Brother”, bezüglich der Übersetzungen und natürlich auch Vertonungen. Fabian Neidhardt beispielsweise arbeitet derzeit sehr ehrgeizig an der deutschen Hörbuchfassung und liefert sich ein Rennen mit der Entstehung der “kommerziellen Version”. Das deutsche Hörbuch von “Little Brother”, basierend auf der Übersetzung von Wöhrl, findet ihr im dazugehörigen Blog.

Ich bin jedenfalls gespannt, wieviele tatsächlich knapp 15 € für die rororo-Version  ausgeben und auch der Hörbuchmarkt dürfte wieder einmal sehr irritiert von den engagierten CC-Projekten sein.

Update: Fabian Neidhardt hat es geschafft und stellt das komplette Hörbuch zum Download bereit. Genau hier!
Vielen Dank dafür!

Anm. der Redaktion: Die Website von penepolis ist leider nicht mehr unter der gewohnten URL verfügbar. Bei Informationen freuen wir uns, von Ihnen zu hören.

Hier ein kleiner Tipp, der mir per Mail zugetragen wurde und den ich gerne unterstütze, da ich schon immer ein Fan von guten Web 2.0-Projekten war…

 

 

Penopolis

“Es gibt Momente im Leben, bei denen man nicht genau weiß, ob man nun träumt oder alles tatsächlich wahr ist – und genau so ein Moment war dieser Montagmorgen im Februar.”

Mit diesem Satz begann das Projekt Penepolis, ein Buch, das jeder mitschreiben kann und kostenlos zum Lesen im Internet veröffentlicht wird.

 

Willkommen bei Penopolis – dem einzigartigen Ort im Netz, an dem jeder seiner Kreativität freien Lauf lassen kann! Bei Penopolis stand nur der erste Satz fest, wie sich die Story, Kapitel für Kapitel, weiterentwickelt schreibt und entscheidet Ihr, die Co-Autoren und die Community.Aus einem Anfangssatz entstand so bisher eine Geschichte um Lene, eine eher erfolglose Schauspielerin, die zufällig in einen Mord verwickelt wird: Eine Joggerin stirbt in ihren Armen; erschossen. Doch bevor sie stirbt, hinterläßt sie Lene einen USB-Stick und einen Auftrag…

Was mit Lene weiter geschieht, was es mit dem USB-Stick auf sich hat und wer der Mörder ist – das liegt weiterhin an Euch! Jeder kann mitschreiben – oder wer lieber liest als schreibt kann mit abstimmen, welches Kapitel es ins Buch schaffen soll und die Geschichte weiterschreibt. 
 
Pro Kapitel gilt: Drei Tage Schreibzyklus und ein Tag Voting. Der aktuelle Zyklus und seine Dauer sind rechts als Wecker dargestellt.
Viel Zeit bleibt euch nicht mehr…ab heute noch knapp 2 Tage. (Sorry, aber ich hab’s zuspät entdeckt)
Also, ihr Schreibwütigen und Kreativen, haltet euch ran, wenn ihr noch an dem Buch teilnehmen wollt. Es wird nach Abschluss des Projektes in gedruckter Form in den Buchhandel gehen.
Wer mitschreiben will, der muss sich kurz registrieren, aber das dürfte ja in der heutigen datenverschwenderischen Zeit kaum ein Problem darstellen.
Gute Unterhaltung und viel Spaß beim Kritzeln.
Update
(Danke für den Kommentar des Seitenbetreibers. Ich gehe davon aus, dass viele so unaufmerksam lesen wie ich und poste deshalb die Info aus den Kommentaren auch hier ;) )
Eine kleine Korrektur: Nur der aktuelle Schreibzyklus dauert noch knapp 2 Tage, danach wird für 24 Stunden abgestimmt, welche Kapitelversion als 7. Kapitel in unseren Kollektivroman einziehen wird.
Insgesamt geht unser Projekt über 30 Kapitel, es ist also noch genügend Zeit, mal vorbeizuschauen und mitzumachen. Daten werden bei uns nicht für Werbezwecke benutzt oder an Dritte weitergegeben, wir freuen uns natürlich als neue Plattform über jeden, der an unserem Projekt teilnimmt!
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