Archiv für Oktober 2009

Auf dem hart umkämpften Buchmarkt gilt es gerade in Krisenzeiten: nicht einschlafen!
Das dachte sich auch die PR-Abteilung der Pons GmbH und baute ihr Sprachenportal kräftig aus, angetrieben von einer beispiellosen Werbekampagne.

Pons.eu Logo

Während Duden und Langenscheidt auf ihrer vergilbten Wolke des Erfolgs leise vor sich hin schlummern, nutzt Pons die Gunst der Stunde und vor allem die Möglichkeiten des modernen Web.

Hinter vier Reitern in der Navigationsleiste leuchtet ein großes, gelbes “NEU” und bedeutet dem Besucher praktische Neuerungen, die einem den Sprachalltag erleichtern. Natürlich haben die Macher aus den Fehlern der Wolkenschlummerer gelernt und bieten ihre Dienste kostenlos an.

Ernsthafte Konkurrenz für den Duden

Was beim Duden nach dem ersten Gratis-Anlock-Angebot 7,95€ monatlich kostet, bekommt der Pons-Online-Nutzer zu 100% kostenlos. Beim Duden hat man dann zwar Zugang zu allen Wörterbüchern, die online verfügbar sind, aber die im Folgenden erwähnte Vernetzung auf dem Sprachenportal liefert eine ähnliche Auswahl für lau.

Das Deutsche Rechtschreibwörterbuch listet zu jedem Suchbegriff neben der korrekten Schreibweise, Artikel, Trennung und Mehrzahlerweiterung auch relevante Begriffe, sowie Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung auf. Als besondere Zusatzfunktion kann der Begriff direkt bei Canoo, Wikipedia, dem Deutschen Wortschatz der Uni Leipzig und dem DWDS (Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh.) nachgeschlagen werden. Somit beschränkt sich das Angebot nicht nur auf das firmeninterne Angebot, sondern nutzt vorbildlich die Vernetzungsmöglichkeiten des digitalen Zeitalters.
Für diejenigen, die Rechtschreibregeln nicht nur anwenden/abschreiben, sondern auch verstehen wollen, gibt es diese auf der Seite ebenfalls ausführlich beschrieben.

Im Gegensatz zu den Herren und Damen vom Duden, die eigenbrödlerisch an ihrem runden Tisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschließen, welche Worte wirklich relevant für die Aufnahme in das Buch sind, können Pons-Nutzer eigene Begriffe an die Redaktion schicken, die wöchentlich geprüft und erweitert werden. Beruhigend, dass es noch Sprachler gibt, die den Begriff “Lebendige Sprache” nicht aus ihrem Wortschatz verbannt haben.

Neuigkeiten, Kurioses und Wissenswertes aus der Welt der Orthografie finden sich im portalseigenen Deutsch-Blog.

Fremdsprachenwörterbücher und Lernhilfen

Die Wurzeln des Stuttgarter Unternehmens liegen bekanntlichermaßen im Fremdsprachenbereich.
Mit dem werbefinanzierten Online-Wörterbuch lassen sich zügig und ausführlich über 4,5 Millionen Wörter und Wendungen in den Sprachen Deutsch-Englisch, -Französisch, -Spanisch, -Italienisch, -Polnisch und -Russisch, sowie Englisch-Französisch und Englisch-Spanisch abfragen. Die meisten Begriffe können auch mit einem Klick auf das Audio-Symbol angehört werden.

Hier findet, wie schon beim Deutschen Wörterbuch, das Open Dictionary Anwendung und gibt beteiligungswilligen Nutzern die Möglichkeit, nach kurzer Anmeldung Vorschläge an die Wörterbuchredaktion zu schicken, die daraufhin geprüft und aktualisiert werden.

Den Volltextübersetzer gibt es für die Sprachen Deutsch-Englisch/Englisch-Deutsch und Deutsch-Französisch/Französisch-Deutsch. Die Software liefert die Firma Lingenio, die bereits für hervorragende Übersetzungssysteme bekannt ist.
Nach kleineren Stichproben beurteile ich die Ergebnisse der Textübersetzung mit gut, zumindest verglichen mit anderen kostenlosen Angeboten im Internet.

Als besonderes Schmankerl bietet Pons das deutsch-englische Bildwörterbuch ebenfalls kostenlos an. Man erreicht es entweder über den Direktlink und stöbert durch die einzelnen themenbasierten Rubriken oder klickt direkt unter seinem letzten Suchbegriff auf den Link zum Nachschlagen im Bildwörterbuch.

Liebevoll gestaltete Grafiken veranschaulichen so die Vokabeln und werden somit für den Lernenden leichter einprägsam.
Dank der “Blog extras”-Funktion kann ich direkt im Blog veranschaulichen, wie das ganze dann bei einem gebundenen Buch aussieht:

gebundenes Buch - Bildwörterbuch

Lernen mit Pons

Mit den Spielen “Begriffe zuordnen” und “Hör zu!” kann der Wortschatz zu bestimmten Themen mit den Bildwörterbüchern einprägsam erweitert werden.
Der schon längere Zeit bestehende Pons-Blog erinnert mich ein wenig an meine alten Englisch-Lehrbücher, die dem Lernenden mit Texten zu bestimmten Kultur- und Alltagsthemen in vorbildlichem Schulenglisch Vokabeln näher bringen.

Ebenfalls interessant ist der Sprachkalender. Er liefert täglich neue Übungen und Wissenswertes, um das Sprachzentrum nicht einrosten zu lassen. Dieser lässt sich entweder online ausdrucken oder aber als Abreißkalender in gedruckter Form bestellen.

Das beste Lernwerkzeug ist leider nicht auf Anhieb unter pons.eu, sondern nur über pons.de zu finden: Der Lexi-Trainer.
Dieser sammelt, nach kostenloser Anmeldung, alle Wörter, die man im Online-Wörterbuch nachschlägt und dient so als individuell abgestimmtes Vokabelheft. Im Gegensatz zu den üblichen Vokabeltrainingsprogrammen berücksichtigt der Trainer somit die persönlichen Themen und den individuellen Lernstand. Besonders praktisch ist die Karteikarten-Druckfunktion.
Es gibt ihn für die Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch.

Fazit

In der Fremdsprachensektion bietet sich pons.eu besonders als Lernhilfe an. Leo.org hat als Fremdsprachenwörterbuch immer noch die Nase vorn. Besonders im Bereich von Redewendungen und Phrasen bietet Leo ein schier unerschöpfliches Arsenal an Übersetzungen und besonders das sehr aktive Forum findet nahezu für jede Frage eine Antwort.

Das schlichte Design und die hohe Benutzerfreundlichkeit kriegen von mir eine ganz klare 1!
Schnell, übersichtlich, gut verknüpft (auch mit externen Angeboten anderer kostenloser Anbieter), offen für Anregungen und Ergänzungen, und vor allem keine versteckten Kostenfallen.

Mit dem Deutschen Wörterbuch tritt erstmals ernstzunehmende Konkurrenz zum Rechtschreib-Monopolisten Duden auf den Markt und lässt die deutsche Sprache endlich wieder auch auf dem Papier lebendig werden.
Sollte das Mannheimer Unternehmen nicht bald nachziehen, dürfte die Frage “Und was sagt der Duden dazu?” in Zukunft nicht mehr allzu oft gestellt werden.

 

BibliothekStudieren kann wirklich nervig sein. Vor allem wenn die Bücher in den Universitätsbibliotheken trotz Studiengebühren verstaubt, vergilbt und vergriffen sind.
Dreißig Studenten aus einem Seminar bekommen alle die gleiche Aufgabe und brauchen alle das gleiche Buch, von dem mal wieder nur ein Exemplar in der Bibliothek steht. Wer clever ist, spricht sich mit den Kommilitonen ab und fertigt mehrere Kopien an (nachdem er 20 min auf einen freien Kopierer warten musste). Denn mitnehmen kann man die Publikation natürlich nicht.

Die Recherche nach geeigneten Quellen für die Hausarbeit gestaltet sich oft sehr mühselig. Jeder Student kennt das wohl, man stapelt den Tisch mit zwanzig Büchern voll, von denen letztendlich fünf relevant sind. Und bis man alle relevanten Bücher aufgetrieben hat, verstreichen Stunden…

Glücklicherweise leben wir im digitalen Zeitalter und clevere, ehemals genervte Studenten schaffen nun Abhilfe:

Logo PaperC

PaperC – Die Fachbuchplattform zum kostenlosen Lesen im Internet

Mit ihrem Start-up PaperC wollen die beiden 26-jährigen Berliner das wissenschaftliche Arbeiten vereinfachen und damit Geld verdienen. Ihre Internet-Plattform soll komplette Fachbücher im Netz zugänglich machen und so die verstaubte Uni-Lehrbuchsammlung fürs digitale Zeitalter rüsten. Wer zum Beispiel einen Blick in den „BWL Crash-Kurs Marketing“ aus dem UTB-Verlag werfen möchte, kann das Buch auf dem Paper-C-Portal Seite für Seite kostenlos durchlesen. Erst, wenn man ein Kapitel ausdrucken oder Zitate im Text markieren will, wird ein Obolus fällig. Der beträgt fünf Cent pro Seite, wie an den meisten Kopiergeräten. „Wir sind der elektronische Copyshop“, erklärt Fröhlich.

Was nach einer einfachen Idee klingt, ist in Wahrheit eine kleine Revolution: Noch nie haben Fachbuchverlage ihre Werke von der ersten bis zur letzten Seite frei im Internet zugänglich gemacht, selbst E-Books muss der Kunde vor dem Lesen komplett kaufen. PaperC will ein neues Geschäftsmodell etablieren: Der Kunde zahlt nicht für das Buch an sich, sondern für den Zusatznutzen, den das Internet-Portal ihm bietet: zum Beispiel den Druck ausgewählter Seiten am heimischen Tintenstrahler oder die digitale Zitateverwaltung. Jeder Student zahle einer Studie zufolge zwischen 40 und 60 Euro pro Jahr für Kopien, das mache mehr als hundert Millionen Euro im Jahr, sagt Martin Fröhlich. „An diese Kopierkosten wollen wir ran!“

Quelle: Handelsblatt

Schon jetzt (in der offenen Betaphase) präsentiert sich die Bibliothek gut gefüllt mit mehreren Tausend Fachbüchern, die man kostenlos am Bildschirm lesen kann. Die Kopie, das Drucken und das Sammeln von Zitaten kostet jeweils 5 cent, normale Uni-Kopiererpreise und dafür ohne Abtippen schon auf dem Laptop. Die notwendige Registrierung geht schnell und unkompliziert. Persönliche Daten müssen erst angegeben werden, wenn der Nutzer sein Konto aufladen will.

Im Gegensatz zu Copycats wie Google und Co. sind alle Bücher von den Verlagen für die Plattform freigegeben worden. Sach- und Fachbuchverlage haben schließlich im Gegensatz zur Musikindustrie und den großen Belletristikverlagen begriffen, dass man sich dem digitalen Zeitalter anpassen muss, um nicht als Verlierer dazustehen. So finden sich beispielsweise Publikationen von de Gruyter und Oxford University Press neben von Natur aus aufgeschlossenen Kleinverlagen im Sortiment von PaperC.

Und warum machen die Verlage das mit?

Fröhlich: Heute werden Fachbücher an den Unis seitenweise kopiert – dafür bekommen die Urheber aber nur Peanuts von der VG Wort, die von den Betreibern der Kopiererläden Gebühren erhebt. Und für Ausdrucke von illegal eingescannten Büchern bekommen sie gar nichts.
Hofmann: Wenn die Verlage die Bücher dagegen auf PaperC einstellen, verdienen sie mehr! Denn wir gehen davon aus, dass viele Nutzer die individualisierten Bücher weiterhin ausdrucken wollen. Und für einen Ausdruck müssen sie nach wie vor zahlen – etwa 10 Cent pro Seite. Und zwar nicht an die VG Wort, sondern an uns. Wir wiederum beteiligen die Verlage an den Einnahmen.

Ist es Ihnen schwer gefallen, die Verlage rumzukriegen?

Hofmann: Das erste Gespräch war in der Tat sehr schwierig: Da haben uns die Geschäftsführer erstmal einen Vogel gezeigt, sich dann aber nicht wie geplant 45 Minuten, sondern drei Stunden für uns Zeit genommen.
Fröhlich: Und dann haben wir denen das Gesicht gewaschen und die Augen geöffnet. Inzwischen will eigentlich jeder mit machen. Übrigens auch viele mittelständische Verlage, denen es sonst viel schwerer fällt, ihre Bücher an den Mann zu bringen.

Quelle: wiwo.de – Gründerraum

Die Online-Bibliothek lässt sich nach Autor, Titel, Verlag und ISBN durchsuchen. Ob die Suche auch eine Volltextsuche ist, die Begriffe innerhalb der Bücher sucht oder nur mit Tags (Schlagworten) arbeitet, konnte ich noch nicht feststellen.

Der Such-Filter unterscheidet zwischen Autor, Titel, Verlag und Meistgelesen. Hier fehlt eindeutig noch eine Kategorisierung nach Genre bzw. Fachgebieten. Es würde das Stöbern deutlich vereinfachen, wenn sich beispielsweise der Germanist in der Germanistikecke und der BWLer in der Wirtschaftsecke umsehen könnte.

Am Design und der Benutzerfreundlichkeit lässt sich hier nichts bemängeln. Die Bücher werden im Flash-Reader schnell und gut lesbar angezeigt.
Die Dienste (Drucken, Zitat, Notizen, Kopieren, Taggen und Seiten kaufen) kosten alle einheitliche 5 cent.
Will man ein ganzes Buch kaufen werden dementsprechend 5 cent x Seitenanzahl fällig. Die einzige Kritik an der eigentlich sehr fairen Preispolitik: Warum zahlt man für das “Taggen” ebenfalls 5 cent?

Fazit:
Ein vielversprechendes Projekt, das eine kleine Revolution im Uni- und Wissenschaftssektor darstellt und gute Chancen auf die Marktführerschaft in diesem Sektor hat. Mit dem sechsstelligen Investment vom Technologiegründerfonds Sachsen, wachsendem Sortiment und kleinen Verbesserungen dürfte aus dem kleinen StartUp-Unternehmen ganz fix eine etablierte Institution werden.

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