Archiv für August 2009

Seinen Augen sollte der Dauerbildschirmleser von Zeit zu Zeit auch mal eine Pause gönnen. Nur wie soll man die Entzugserscheinungen seiner Literatursucht lindern?
Man sucht sich einen Vorleser!

Vorleser Logo

Genug kostenfreie Ersatzdrogen in Form von Hörbüchern bietet das Internetportal Vorleser.net seinen Besuchern im mp3-Format zum Gratis-Download an. Laut eigener Aussage stehen rund 550 kostenlose Hörbücher zum Download bereit.

Da ein Vorleser mit Texten von über 150 klassischen und zeitgenössischen Autoren ziemlich schnell überfordert wäre, lesen mehr als 30 Sprecherinnen und Sprecher die Romane, Märchen, Geschichten und Gedichte für das hörwillige Publikum ein.

Die Bandbreite der Autoren und Genres kann sich durchaus sehen hören lassen. Es gibt u.a. Märchen von Hans-Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm, Krimis von Arthur Conan Doyle und Hans Pfeiffer, Gedichte von Goethe, Trakl und Rilke oder Geschichten von Kafka und Tucholsky. Besonders zu empfehlen sind der komplette „Frankenstein“ von Mary Shelley, die Kurzgeschichtensammlungen von Kafka und Poe, sowie Doyles Sherlock-Holmes-Krimis.
Eine Übersicht aller verfügbaren Autoren, die zum freien Download bereit stehen findet man hier.

Die Geschichte von Vorleser.net

Vorleser.net wurde im Herbst 2003 von dem Leipziger Journalisten und Sprecher Johannes M. Ackner initiiert. Am Anfang stand ein Experiment: Ackner stellte selbst gesprochene Märchen ins Internet, die er für die Kinder von Freunden aufgenommen hatte. Das Angebot sprach sich schnell herum, die BILD-Zeitung titelte bereits im Dezember 2003: “Der Märchenonkel aus dem Computer (bei ihm gibt’s Grimm gratis)”. Schnell fanden sich weitere professionelle Sprecherinnen und Sprecher, die das Projekt unterstützen wollten. So entstand schnell ein breites Angebot klassischer Literatur, das kostenlos als Hörbuch  angeboten werden konnte. Im Sommer 2004 gründete Ackner gemeinsam mit dem US-amerikanischen Germanisten David Fischbach die phonetics group GbR, die seitdem Vorleser.net herausgibt.

Quelle: Pressetext

Die Finanzierung erfolgt einerseits durch Werbung und andererseits durch  kommerzielle Angebote (z.B. Buchfunk-Hörbuchverlag, Sprecheragentur) und Projekte (z.B. der Koran und die Bibel als Hörbuch).

Da die Beliebtheit von Hörbüchern eher zu- als abnehmen wird und die phonetics group GbR sehr engagiert mit ihrem Projekt umgeht, wird sich das Angebot stetig erweitern und unsere Literatursucht sowohl klassisch, als auch zeitgenössisch befriedigen.
Ein großes Kompliment an die Betreiber!

Und jetzt…
Kopfhörer Kind
Augen schonen!

 

 

Lyrikline.org Logo

Anlässlich des bevorstehenden 10. Geburtstags widme ich diesen Beitrag dem Lyrikerportal Lyrikline.org.

Die Gegenwartslyrik verliert traurigerweise zunehmend an Bedeutung und besonders der Blick auf den Buchmarkt macht es überdeutlich, Lyrik lässt sich nicht mehr verkaufen. Die Folgen sind nicht gerade unbedeutend, denn je weniger Lyrik verbreitet wird, desto weniger Rezeptionsmöglichkeiten gibt es. Greifen wir heute noch auf unzählige großartige Dichter des 19. Jahrhunderts zurück, schwindet es mit den Poeten des 20. Jahrhundert merklich um im 21. Jahrhundert ein „Nischendasein“ zu fristen. Der große Conrady wird sozusagen immer kleiner.
Aber stirbt die Dichtkunst wirklich aus oder schlägt sie nur neue Wege ein?
Vorgetragene Lyrik als gesellschaftliches Ereignis erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Man möchte den Dichter selbst sehen und hören, wenn er seine poetisch formulierten Gedanken und Gefühle offenbart. Schließlich geht es in der Dichtung vorrangig um Klang, Rhythmus und Intonation. Besonders auf den Poetry Slams lässt sich verdeutlichen, wie Lyrik wieder zum Event werden kann.

Diese Überlegung brachte schließlich die Literaturwerkstatt Berlin im Jahre 1999 dazu, das Projekt Lyrikline.org ins Leben zu rufen, um Poesie für jeden jederzeit und überall auf der Welt verfügbar zu machen.

Das Portal präsentiert nicht nur den reinen Text, sondern nutzt die vielfältigen multimedialen Möglichkeiten des Internet und lässt den Autor selbst lesen.

Eine Foto- und Textpräsentation sollte dem jeweiligen Hörerlebnis ein Gesicht verleihen.
lyrikline.org ist eine Initiative der literaturWERKstatt berlin. Das Lektorat wird durch einen mehrköpfigen Programmbeirat, der sich aus den Trägern zusammensetzt, sowie einen jährlich zu benennenden Autoren ergänzt. Die Beratung bei der Auswahl der ersten sechzehn Autoren hat die Lyrikerin Elke Erb übernommen, im Jahr 2000 beriet der Dichter Gerhard Falkner.

Das erklärte kulturpolitische Ziel von lyrikline ist es, über den multimedialen Erlebnischarakter, den das Internet bietet (Text, Bild, Ton), den Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad sowie die Rezeptions- und Verkaufsmöglichkeiten von deutschsprachiger Lyrik weltweit zu mehren.

lyrikline.org möchte in anderen Sprachräumen Partner gewinnen, die eine lyrikline.org-,Abteilung’ ihrer Sprache aufbauen möchten und sich am gemeinsamen Übersetzungsmodus beteiligen. So entsteht sukzessive ein internationaler Arbeitszusammenhang, der den unmittelbaren Zugang zur Lyrik aller Sprachen gewährleistet und den internationalen poetischen Dialog erneuert. Der Internetnutzer kann dann das fremdsprachige Gedicht als unbeschädigtes, originales Kunstwerk hören und wie in einer zweisprachigen Ausgabe die Übersetzung lesen und mit dem Original vergleichen.

Natürlich will lyrikline.org dem Buch nicht den Platz streitig machen, es ersetzen oder abschaffen, denn die physische Präsenz des Buches und die Beziehung, die man zu ihm aufbauen kann, ist von einer ganz eigenen, unerreichten Qualität. Es geht vielmehr darum, ein neues Medium in einen Multiplikator bei der Verbreitung von Poesie zu verwandeln.

Quelle: Projektidee

Die Auswahl der aufgenommenen Dichter „basiert auf Vorschlägen der Träger und wird in Abstimmung mit dem jeweiligen Kurator getroffen“.

Seit der Gründung im November 1999 verzeichnete die Seite über 4 Millionen Besucher aus 120 Ländern und bekam 2005 den Grimme-Online-Award verliehen.

Seit neuestem gibt es auch eine neue Übersetzungssprache: Esperanto. Die ersten Dichter in der „Weltsprache“ sind die ungarischen Autoren István Kemény und Peter Zilahy.

Das zehnte Jubiläum wird in Berlin zusammen mit internationalen Partnern mit einer Festwoche gefeiert. Vom 26. bis zum 31. Oktober wird in Berlin und weltweit das Projekt mit zahlreichen Veranstaltungen geehrt.

Bleibt mir abschließend nur noch zu sagen:
Vielen Dank an die Träger und Partner für dieses beispiellose Projekt, das nicht nur Lyrik aus ihrem Nischendasein befreit, sondern Kulturen verbindet.
Auf weitere 10 Jahre!

 

Über Goethes Präsenz im Internet schrieb ich schon desöfteren. Meine heutige Empfehlung gilt ebenfalls einem der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller der modernen Literatur und einem meiner persönlichen Lieblinge:

Heinrich Heine

Heinrich Heine

Das Heinrich-Heine-Portal hat es sich zur Aufgabe gemacht, die beiden wissenschaftlichen Gesamtausgaben, die seit Beginn der 70er Jahre unabhängig voneinander in der BRD und der DDR entwickelt wurden, zusammenzuführen, zu ergänzen und somit eine elektronische Gesamtausgabe kostenlos und für jeden im Internet zur Verfügung zu stellen.
Neben der kritischen Gesamtausgabe Heines finden sich auf dem Portal Faksimiles von Werk- und Briefhandschriften, Bildmaterial, Quellen und Bücher aus der Privatbibliothek des Schriftstellers, welche diese beispiellose Sammlung ergänzen.

Das Heinrich-Heine-Portal (HHP) wird die Werke und Briefe sowie Dokumente zu Leben, Werk und Wirkung Heines auf der Basis moderner Standards zur anwendungsneutralen Datenkodierung (SGML/XML) erfassen und als integriertes digitales Informationssystem frei im Internet zugänglich machen. Es ist eine vernetzte kritische Gesamtausgabe im Volltext, verknüpft mit digitalisierten Handschriften-, Bild- und Buchbeständen aus dem Heine-Institut und einigen anderen Bibliotheken und Archiven.

Für den Inhalt und die wissenschaftliche Präsentation zeichnet das Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf verantwortlich, die Texterschließung und -auszeichnung sowie die Entwicklung der graphischen Oberfläche werden vom Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier durchgeführt. Finanziert wird das auf fünf Jahre angelegte Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen.

[…]

Diese 26.500 Textseiten mit ca. 72 Millionen Zeichen werden von einem chinesischen Dienstleister im „Double-Keying-Verfahren“ erfasst und mit Steuerzeichen versehen. Im Trierer Kompetenzzentrum werden die Dateien in TUSTEP- und anschließend in XML-Dateien umgewandelt, sowie unter Einsatz des Content Management Systems ZOPE undd es Datenbanksystems MySQL aufbereitet. Im Heine-Institut werden sie wissenschaftlich und editionsphilologisch weiter bearbeitet; der Briefwechsel wird dabei vollständig neu durchgesehen und aktualisiert.


Werk-, Brief- und Kommentartexte werden in einer Hyperlink-Struktur miteinander vernetzt und zudem mit einer Vielzahl digitaler Faksimiles verknüpft: Drucken, historischen Quellen- und Bildmaterialien und vor allem Manuskripten der Werke sowie der Briefe von und an Heine, vorwiegend aus dem Archiv des Heinrich-Heine-Instituts, wo sich etwa 60% der bekannten Brief- und Werkhandschriften Heines (ca. 7500 Blatt) befinden. Hinzu kommen ausgewählte Einzelbestände aus anderen Bibliotheken. Ständig aktualisierte Datenbanken, auf die im Heine-Portal zugegriffen werden kann, sollen zudem Auskunft über Standorte und Verfügbarkeit der Heine-Handschriften in aller Welt geben.

Quelle: Über das Projekt

Mit Hilfe der Volltextsuchmaschine lassen sich die beiden Gesamtausgaben entweder getrennt oder gleichzeitig durchsuchen, außerdem kann man die Suche nur auf die Brieftexte beschränken.

Hier findet jeder Schüler, Student und Wissbegierige, der sich mit Heinrich Heine wissenschaftlich auseinandersetzen will (oder muss), ein Portal, das keine Wünsche offen lässt.

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