Symbol CoelhoDie Blogger-Gemeinde wird ihn mit Sicherheit nicht nur als Autor des Bestsellers “Der Alchimist” kennen. Community-Nerds haben diesen Mann wohl auch desöfteren in den Freundeslisten ihrer Freunde entdeckt (nicht sonderlich unwahrscheinlich, wenn man sich einmal die Liste seiner Communities betrachtet. Vielen Verlegern ist dieser Mann gewiss ein Dorn im Auge. Internetpiraten, die OpenSource-Gemeinde und Literaturbegeisterte lieben ihn hingegen.

Der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho ist ein großer Fan der Internetkultur und genießt die dadurch entstandene Nähe zu seinen Lesern:

Mit dem Internet hat jeder die Möglichkeit, sein Ideen mit anderen im Netz zu teilen. Das bewirkt natürlich erst einmal ein großes Chaos. Ja. Aber auf der anderen Seite demokratisiert es auch. Es stärkt die Menschen, sich auszuprobieren. Das Internet fördert Kreativität. Im Gegensatz zur Passivität des bisherigen Medienkonsums, schreiben wir heute unsere Meinungen und Gedanken in Kommentaren unter den Beiträgen auf den Webseiten.

aus: Interview im Tagesspiegel

Doch dieser Ideenaustausch ist nicht der Hauptgrund für die massive Beliebtheit und Popularität Coelhos.
Seine Position in der Diskussion um die Bedrohung des Internet für die Buchkultur ist eindeutig. Wenn man sich der Technologie nicht anpasst und stattdessen mit Gesetzen und Strafen verzweifelt gegen den Wechsel ankämpft, so wird man früher oder später daran zerbrechen.

Der Autor hat das schon vor längerer Zeit realisiert und getan. Er gab sich als Internetpirat aus und veröffentlichte in dem Blog Pirate Coelho Links zu seinen Büchern in Filesharing-Netzwerken. 2008 löste er die ganze Sache dann auf und gewann wieder ein Stück Popularität.
Ebenso wirkungsvoll, paradoxerweise auch für die Verkaufszahlen, entpuppte sich der freie Download des “Alchimisten” in russischer Sprache auf seiner Homepage. Hatte er davor noch Absatzschwierigkeiten auf dem russischen Buchmarkt, so vervielfachten sich die Verkaufszahlen des Bestsellers schon kurze Zeit später.
In meinen Augen ist das auch völlig logisch. Ich lese das Buch in digitaler Form und wenn es gut ist, dann muss ich es auch im Bücherregal stehen haben.

Konsequenterweise hat Coelho schon vor Jahren “Piratenlinks” auf seine Seite gestellt (die brasilianische und internationale Blogosphäre und Presse kommentiert das, seit er im Januar 2008 öffentlich darüber sprach.) Der literarische Popstar weiß -wie gesagt- aus Erfahrung, dass Bücher im Wert steigen (können), wenn sie im Netz veröffentlicht werden. Doch Bücher seien letztlich nur Schiffe für den Transport von Ideen, im Kern ginge es immer nur darum, Ideen zu teilen. “The more you give, the more you gain.”

Und dann referiert er in schönster Lawrence Lessig Manier,

  • dass die Gesetze immer den Technologien angepasst werden müssen,
  • dass Medien und Verwertungsindustrien sich allzu schwer tun, das Offensichtliche -den Paradigmenwechsel- zu begreifen,
  • dass ihm schleierhaft ist, warum einige Produzenten im Netz den Feind statt die Herausforderung zur Entwicklung neuer Vertriebsstrategien sehen.
  • dass schon die Musikindustrie bisher nur Schlachten (z.B. gegen Napster), nicht aber den Krieg gewonnen habe. Und so weiter.

Wenn sie wenigstens so clever gewesen wären, damals, 2001, für jeden Musikdownload im Internet 0.05 Cent zu verlangen – statt all die Anwälte zu bezahlen! Niemanden hätte es gestört, glaubt Coelho. Aber sie waren eben nicht clever genug.

“Solange die Produzenten sich weigern, Terrain an die vorgeblich passiven Konsumenten abzutreten, werden sie Publikum verlieren.” … “Giordano Bruno wurde dafür bestraft, seine Idee zu verkünden. Heute wird man dafür bestraft, wenn man das nicht tut.”

aus: Paulo Coelho: Ein Alchimist der “Piraterie” von


Ich wollte euch nur aufmerksam machen auf die kostenlosen E-Books von Paulo Coelho. Qualität hat eben nicht immer seinen Preis.

In zahlreichen Sprachen findet man die Bücher Coelhos zum Gratis-Download in dem Pirate Coelho-Blog.
In dem box.net-Widget auf der rechten Seite finden sich, neben den erwähnten Links, nach kurzem Scrollen die deutschen Ausgaben von

  • Elf Minuten
  • Handbuch des Kriegers des Lichts
  • Der Zahir
  • Der Wanderer
  • Der fünfte Berg
  • Der Dämon und Fräulein Prym

und den Alchimisten zum kostenlosen Download.

Das dürfte erstmal genug Lesestoff bieten.
Viel Spaß damit!

6 Kommentare zu “Das Buch und der Pirat”

  • Geheimrat sagt:

    Das ist aber mal ein sehr schöner Artikel. Danke dafür. Auch wenn ich die Meinung von Herrn Coelho nicht uneingeschränkt teile, hat er in vielen Dingen schon nicht unrecht ;-) (Ich kann schön rumeiern, was?) Wenn ich nur nicht das digitale Lesen so blöd fände …

    Der Trend ist jedenfalls eindeutig!

    P.S.: Na? Richtig!

    • iRead sagt:

      Danke für’s Kompliment.
      Ich teile die Meinung Coelhos auch nicht uneingeschränkt. Er ist nur einer der ersten einflussreichen Autoren, der sich traut, das Verlagswesen und die festgefahrenen Strukturen anzuprangern und sich dagegen aufzulehnen. Er selbst kann auch noch nicht wirklich für alles eine Lösung finden, aber er versucht es und liefert Ansätze zur Veränderung.

      Japp…die zweite Welle um den elektronischen Büchermarkt wird sicher mehr verändern, als die erste. Ich denke, der Sachbuchmarkt hat das E-Book mittlerweile als die bessere Form erkannt. Die Belletristik wird (hoffentlich) noch länger das PaperBook bevorzugen.
      Aber umdenken sollte der Buchhandel allemal.
      :)

  • caspar sagt:

    Sehr interessanter Artikel. Ich sehe das auch ähnlich wie Paulo und bekenne mich auch eindeutig zur Meinung, dass das Internet die Kreativität jedes einzelnen fördern kann. Beispiele gibt es da genug: myspace, youtube, diverse Literatur-Plattformen wie bookrix; jeder hat hier die Chance sich öffentlich zu äußern, wie auch immer, mit seiner Musik, Videos, Kunst, Wort etc. Was brauchen wir da das Fernsehen? Dagegen strafrechtlich vorzugehen wie im Falle von torrent-Datei-Anbietern halte ich für sinnlos…

    • iRead sagt:

      Genau so sehe ich das auch…und wir sind sicher nicht die einzigen, die das so sehen.
      Schlimm finde ich v.a., dass viele Verlage Verträge mit Autoren machen, die ihnen die totale Kontrolle übertragen und somit den Autoren das Recht verbauen, selbst über ihr Werk und den Umgang damit entscheiden zu können.
      Naja…hoffen wir mal, dass die Literaturbranche aus dem Disaster der Musikbranche gelernt hat und klügere Wege einschlägt.

  • caspar sagt:

    Ist nicht anzunehmen!

    • iRead sagt:

      Ich geb die Hoffnung nicht auf, auch wenn ich weiß, dass Menschen selten aus den Fehlern anderer lernen und meinen, bei ihnen wäre es anders.

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