Archiv für Mai 2009

 

Foto Sechzig GradDieser Roman wird nicht nur online gelesen, sondern auch online geschrieben.
Die Autorin Karen Wiborg schreibt einen Fortsetzungsroman in ihrem Blog.

Unter dem Titel 60° veröffentlicht sie häppchenweise die Geschichte der Konditorin Josephine Klein, die in New York ihr berufliches Glück mit der Herstellung von Hochzeitstorten sucht. Die Geschichte beginnt zeitgleich mit dem Blog am 1. Januar 2009 und soll nach einem Jahr am 31. Dezember fertiggestellt werden.
Die Story erinnert stark an Serien wie “Sex and the City” und “Friends”.

Wovon handelt Ihr Buch?
WIBORG: Es ist ein Frauenroman. Die Hauptdarstellerin Josephine zieht von Deutschland nach New York. Sie ist Konditorin, auf Hochzeitstorten spezialisiert. In New York versucht sie ihr Glück und erlebt allerlei kuriose Männergeschichten.

Das hört sich ähnlich an wie Bridget Jones oder Sex and the City…
WIBORG:Ich bin in der Tat ein großer Fan von Bridget Jones und “Sex and the City”. Für meinen Roman nehme ich die Geschichten meiner Freundinnen und meine Erlebnisse als Grundlage.

Interview bei nw-news.de

Auch wenn ich kein großer Fan dieses Genres bin, hat mich der Roman mit seinem unterhaltenden Stil doch gefesselt. Das Buch hat jedenfalls einen männlichen Leser mehr.

Zusätzlich zu den einzelnen Kapiteln dokumentiert Karen die Entstehung des Romans und berichtet von Wortfindungsschwierigkeiten, Recherchen und Inspirationen.
Sehr spannend, die Entwicklung des Romans mitzubekommen. Außerdem hat man als Leser die Chance, durch Kommentare die Story mitzugestalten.

Das Design der Seite ist ansprechend schlicht gehalten, die Schrift könnte vielleicht ein wenig größer sein. Für das gemütlichere Lesen oder zum Ausdrucken bietet die Autorin alle Kapitel komplett und kostenlos zum Download im PDF-Format an.
Da es ein “Live-Buch” ist und nicht das übliche Lektorat durchläuft, schleicht sich hier und da manchmal der Fehlerteufel ein. Finde ich aber weniger störend, sondern eher charmant, weil unverfälscht.

Alles in allem, ein tolles Konzept, eine gelungene Umsetzung und die tägliche Portion suchterzeugender Unterhaltung.

 

Foto: © Karen Wiborg


Ich weiß, die letzten Tage ist hier nicht viel passiert, weil ich im Moment mehr mit anderen Sachen beschäftigt bin.

Aber nächste Woche leg ich wieder los, Versprochen! ;)


Bis dahin, solltet Ihr vielleicht auch einfach mal das Wochenende für andere Dinge nutzen, wie z.B.

  • den Laptop wegstellen
  • ein Buch im altmodischen Papierformat auf dem Sofa lesen
  • euch mit eurer/m Frau/Mann zur Abwechslung auch mal unterhalten
  • mit Freunden Gesellschaftsspiele spielen
  • Gänseblümchen pflücken
  • mit dem Hund einen ausgedehnten Spaziergang unternehmen
  • Tagebuch schreiben
  • körperlich betätigen
  • Sandburgen bauen
  • eine Kiwi essen
  • noch ein Buch lesen
  • eure Eltern zum Kaffee einladen
  • Gummihopse spielen
  • Fahrradtour zum See
  • Tee trinken
  • irgendwas Leckeres kochen
  • und was euch sonst noch einfällt…

Ich werd’s auch mal probieren…

das mit dem Abschalten…

zumindest für ein paar Stunden mehr als sonst.

 

Viel Spaß dabei!

Internet abschalten

 

Mir fiel gerade auf, dass ich mich die ganze Zeit mit Büchern befasse, aber das “Buch der Bücher” bisher nicht mit einem Wort erwähnte.
Um das zu ändern, heute mal ein kleiner Tipp am Rande.

Luther Bibel von 1912 Ich bin zwar selbst ohne Konfession, wie es so schön heißt, aber dennoch bin ich der Meinung, dass jeder zumindest einmal einen Blick in die Bibel werfen sollte.
Schließlich ist unsere westliche Kultur, auch wenn sie sich nicht mehr als religiös bezeichnet, doch immer noch von Werten und moralischen Ansichten christlicher Kultur begründet und geprägt. Aber das soll hier kein Bericht über den Bezug Christentum und Europa werden…


Es ist nur erstaunlich, wenn man als Nichtgetaufter, der auch keinerlei Kirchensteuern zahlt, sich mit katholisch getauften Kirchensteuerzahlern über dieses Buch unterhält und feststellt, dass man mehr darüber weiß, als sein Gegenüber.

Ich selbst habe die Bibel, bis auf ein paar überflogene Passagen, gelesen und sie steht auch bei mir zu Hause im Bücherregal. Aber da die meisten, die keine Bibel besitzen, sicher auch beim Bücherkauf genügend andere Romane, Bildbände, Ratgeber usw. auf ihrer Liste stehen haben, kommt es nur äußerst selten zu einer Neuanschaffung.
Aber was macht man denn nun, wenn bei “Wer Wird Millionär?” eine Bibelfrage gestellt wird und man nur einen Werbeblock Zeit hat, um sie flink per SMS zu beantworten? Den Nachbarn fragen? Wikipedia? Telefonjoker Papst?

Man könnte auch einfach bibel-online.NET fragen.
Dort liegt nämlich die Luther Bibel von 1912 in digitaler Form bereit.

Und diese ist endlich mal keine minimalistische oder schlecht umgesetzte Digitalisierung eines Buches.
Es ist kein kommerzielles Projekt und wird nicht durch Werbung gestört.(quasi eine Rarität in der Welt der Online-Literatur)
Das Design ist sehr leser- und benutzerfreundlich.
Die gute und flinke Suchfunktion ermöglicht einem schnell Passagen ausfindig zu machen, in denen der Begriff, den man suchen will, vorkommt. Die Suchergebnisse zeigen die verlinkten Bibelstellen, in denen der Begriff vorkommt, nach dem üblichen Schema (Buch, Kapitel, Vers) an.
Wer gerne in den “Worten Gottes” stöbern oder bestimmte Bücher, Kapitel oder Verse direkt anzeigen will, kann dies über die zweite Suchfunktion tun.

Für die Neulinge unter den Lesern bieten sich direkt über der Suchfunktion (für meinen Geschmack etwas zu unauffällig) noch drei weitere Verweise:
“Die Bücher der Bibel” gibt eine Gesamtübersicht aller Bücher aus dem Alten und Neuen Testament. In Klammern ist, neben der Entstehungszeit, das Thema oder der Kurztitel, unter dem es bekannt ist, vermerkt. (Beispiel: 1.Buch Mose = Genesis)
“Die kleine Konkordanz” bietet einen Index der meistverwendeten Wörter mit direkten Links zu den Stellen.
“Die Zeittafel zur Bibel” listet tabellarisch die wichtigsten Daten und Ereignisse der Überlieferung auf.

Zur Textansicht kann ich auch keine Kritik üben. Die Schrift ist leserlich und schwarz auf weiß. Fußnoten und Querverweise werden direkt beim Überfahren mit der Maus als Tooltip angezeigt und können ebenso direkt als Link genutzt werden.
So erspart die Online-Version das oft sehr mühselige Geblätter und Gesuche auf den ca. 2000 Seiten meiner kleinen, dicken A5-Version.

Lediglich ein Kritikpunkt fällt mir an dieser Online-Bibel auf. Es fehlen die Apokryphen, die in meinen Augen einfach in eine vollständige Version gehören.
Die Neutestamentlichen Apokryphen finden sich in deutscher Sprache hier und eine Sammlung der Schriften aus beiden Testamenten findet sich, leider nur in englischer Sprache, auf dieser Seite.

Schade ist nur, dass der Rat der EKD (Evangelische Kirche Deutschland) dieser Seite aus unerfindlichen Gründen die Lizenz für die Lutherbibel von 1984 entzogen hat. Manche menschlichen Anwandlungen muss man nicht verstehen…

Abschließend:
Ein großes Lob an den christlichen Internetdienst für diese Seite!

 

P.S.: Bevor nun Beschwerden aus anderen religiösen Lagern auf mich einprasseln:
Natürlich gibt es auch den Koran, die Hebräische Bibel – den Tanach sowie den Talmud im Internet.
Alle anderen, die sich beschweren wollen, können das gerne in den Kommentaren tun ;)

P.P.S.: Wer sein Bibelwissen testen möchte, kann sich ja einmal bei “Wer wird Biblionär?” versuchen. ;)
(aktuelles dazu im Blog)

 

Was ein Glück, dass ich hier nur schreiben und nichts aussprechen muss, denn heute empfehle ich eine Seite, deren Namen ich ganz sicher falsch aussprechen müsste ;)

ngyaw-E-Books

Auf der Suche nach kostenlosen E-Books stieß ich vor kurzem auf diese Seite: ngiyaw-eBooks

Der Betreiber dieser Seite, scheinbar ein Deutscher, der in Ungarn lebt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinfreie Literatur nicht nur als html-Version ins Netz zu stellen, sondern vor allem die Bücher auch als kostenlose E-Books zum Download anzubieten.
Natürlich sind alle Bücher hier gemeinfrei und können frei verwendet werden.

Zu jedem Autor findet sich eine Biografie und meist auch ein Foto.
Die Texte sind mit ausführlicher Quellenangabe versehen.
Das Schöne an dieser Seite ist, dass die ausgewählten Autoren nicht die üblichen Verdächtigen sind, denen man nur allzu oft im Internet begegnet, sondern hauptsächlich Autoren und Werke, die man oft nur schwer auftreiben kann.
So finden sich hier zum Beispiel die Novellen und Gedichtbände von dem heute leider relativ unbekannten Früh-Expressionisten Georg Heym. Als besonderes Schmankerl kann man sogar die Digitalisate des Pfennigmagazins erkunden.

Die meisten Bücher lassen sich kostenlos als E-Book im PDF-Format mit Frontcover herunterladen. Hierzu einfach auf den Acrobat Reader-Link neben dem Buchtitel klicken.
Falls es Digitalisate eines Buches gibt, werden diese entweder direkt verlinkt oder oft auch direkt unter dem Text als JPEG angezeigt. (keine Angst, es sind keine gruseligen Google-Scans ;) )

Um die gesamte Bandbreite moderner Literaturdarstellung abzudecken, bekommt der ermüdete Leser auch zu manchen Büchern das Hörbuch.

Ein wenig Kritik habe ich neben dem Lob natürlich auch noch.
Das Design finde ich ein wenig chaotisch und die Farben sind auch etwas düster, vermitteln so das Gefühl, man sitzt in einer staubigen Bibliothek(nun gut, manch einer sitzt ja gerne dort).
Die Navigation und die Nutzerfreundlichkeit verwirren den Leser gelegentlich und fordern oft genaues Lesen, denn jedes Wort könnte ein Link sein, auch wenn es manchmal nicht so aussieht.
Schade auch, dass der Seitenaufbau keine einfachen Direktlinks zum Beispiel auf einzelne Bücher, die man später weiterlesen will ermöglicht (man muss leider erst umständlich den Frame in der Mitte extern öffnen und diesen dann als Bookmark setzen).
Überhaupt wirkt die Navigation gelegentlich verwirrend und umständlich, weil sie eben nicht den aktuellen php und css-standards folgt, sondern noch im html-Format geschrieben ist.

Nun gut, das sind Dinge, die ich nicht unbedingt als störend bezeichnen kann, denn der Inhalt überzeugt mich ungemein.
Wer gerne in alten Schätzen stöbert und unbekanntere Autoren entdecken will (so wie ich z.B.), der wird sich hier lange wohl fühlen (ebd.).

Ich möchte nun auch nicht viel mehr Lesezeit verschwenden und entlasse euch mit  einem kleinen 4-Zeiler, der mir eben begegnete, ins Wochenende…

Die Pflicht

 

Wenn des Schicksals wilde Woge
Meinen Lebensmut zerbricht,
Reisst aus thatenlosen Sinnen
Mich empor die ernste Pflicht,


Spricht mit klarer, milder Stimme:
»Herz, lebst nicht für dich allein,
Such’ die deinen zu beglücken,
Wirst dann selbst auch glücklich sein!«


Pauline Hoffmann von Wangenheim

P.S.: Über Aktuelles berichtet der Autor im dazugehörigen Blog.

 

Google, unser liebster Möchtegern-Monopolist, Freund und Feind der Informationskultur in einem, setzt wirklich alles daran, jeden Online-Grashalm mit seinem Logo zu versehen. Jetzt sind unsere Bücher dran.

 Google schluckt Bücher

Bei den Suchmaschinen sitzt die “Datenkrake” ja schon lange auf dem goldenen Thron und speichert fröhlich vor sich hin, weswegen mittlerweile wahrscheinlich auch jeder Internetnutzer in den Datenbanken des Google-Imperiums verzeichnet sein dürfte (inklusive Recherchedaten über Geschlechtskrankheiten, Vorlieben – auf welchem Gebiet auch immer, Wohnort, Urlaubsland, usw usf).
Datenschutz? Wozu das denn?
Gesetze und Bestimmungen lassen sich, mit genügend Geld und Einfluss, ganz prima ausblenden.
Und dass die Macht auch mal gerne zum
Verbergen von Informationen eingesetzt wird, wissen wir ja auch nicht erst seit den Ereignissen in China.
Wie bezeichnete Wikipedia-Begründer
Jimmy Wales die Suchmaschinenproblematik äußerst treffend:
“Mangel an Freiheit, Mangel an Gemeinschaft, Mangel an Verantwortung, Mangel an Transparenz.”

Der Hardcore-Google-User surft mit Chrome, speichert seine Termine im Google-Kalender, bekommt seine Post über Google-Mail, schaut seine Videos über YouTube, liest die neuesten Nachrichten in den Google-News, sucht seine Ziele für das Bewerbungsgespräch und den Arztbesuch über Google-Maps, beginnt die Online-Shoppingtour mit der Produktsuche, erstellt und verwaltet Tabellen und Texte mit Google-Docs, kommuniziert mit Google-Talk und natürlich durchsucht er seinen Computer mit der Google-Desktopsuche
Und all diese, meist doch sehr sensiblen Daten, liegen nun auf diversen Google-Servern zum Abruf bereit. Aber da bleiben sie ja auch und werden natürlich nur zu statistischen Zwecken genutzt…
Natürlich! Warum sollte man diese Informationen auch sonst speichern?!

Diese Unmengen an Daten reichen dem “Welt-Wissens-Speicher” noch lange nicht, denn was ist mit dem Wissen aus der Zeit vor dem Internet, das in Bibliotheken und Archiven vor sich hinschlummert?!
Der größte
Datenhändler der Welt kann sich das doch nicht entgehen lassen.

Also bastelt man seit 2004 an der Google-Buchsuche, die einerseits mit Verlagen zusammen arbeitet (das weniger problematische Google Print) und andererseits unsere Bibliotheken im großen Stil scannt (die juristisch umstrittene Google Library).
Den
Datenschutz zu unterwandern wird aufgrund mangelnder juristischer Gegenwehr mit der Zeit langweilig, also widmet man sich doch einfach dem Urheberrecht, denn das ist doch viel spannender und vor allem $lukrativer$.

Der Sinn und der Zweck des Urheberrechts bestand und besteht darin, daß Autorinnen und Autoren über das Resultat ihrer eigenen Arbeit souverän verfügen und eine angemessene Beteiligung an den wirtschaftlichen Erlösen aus ihrer Produktion erzielen können. In der Regel schließen sie dazu einen Vertrag mit einem Verlag, der ihre Texte nicht nur lektoriert, drucken läßt, verbreitet und bewirbt, sondern auch Lizenzen vergibt: für Vorabdrucke, Nachdrucke (z.B. als Taschenbuch), Verfilmungen. Die Verlage und mit ihnen die Autoren verdienen dabei Geld mit Inhalten.

Dieses Geschäftsmodell steht durch Google zur Disposition. Google verdient nämlich nicht, zumindest bislang nicht, mit Inhalten Geld. Google stellt Inhalte kostenlos zur Verfügung, um möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Diese Aufmerksamkeit wird in »Zahl der Mausklicks« gemessen und an Werbekunden zu sogenannten Kontaktpreisen verkauft. Was also einstmals Kern des Verlagsgeschäfts war, die Verbreitung von Inhalten, ist bei Google lediglich die Bedingung der Möglichkeit für Geschäfte ganz anderer Art. Inhalte sind nicht Zweck dieser Veranstaltung im Internet, sondern nur mehr ein Mittel.

aus: “Google unterhöhlt das Urheberrecht. Worum geht es genau, mit welchen Konsequenzen, und wo erfährt man mehr?” von Gunther Nickel

Im Gegensatz zu den bisher besprochenen, freien Internetbibliotheken, werden hier nicht nur gemeinfreie Bücher der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern ebenso urheberrechtlich geschützte Bücher und Publikationen, ohne die Rechteinhaber zu fragen, veröffentlicht.

Die Vorgeschichte: Seit fünf Jahren digitalisiert Google die Bestände amerikanischer Bibliotheken. Dort stehen wie überall in der westlichen Welt drei Kategorien von Büchern. Das sind erstens jene, deren Autor länger als siebzig Jahre tot ist – dann erlischt das Urheberrecht, die Werke sind gemeinfrei. Zweitens lagern dort Bücher, deren Urheberrecht noch besteht, die aber nicht mehr lieferbar sind; und drittens gibt es lieferbare, aktuelle Werke. Die zweite Gruppe bildet die Mehrheit der von Google eingescannten Bücher. Die mit großen europäischen Bibliotheken getroffenen Vereinbarungen sind in diesem Fall nicht von Interesse, weil dort nur gemeinfreie Bücher digitalisiert werden.

aus: “Die Google-Strategie – Das Teuflische an diesem Plan” von Hannes Hintermeier

Nicht gemeinfreie Bücher werden zwar scheinbar nur teilweise zugänglich gemacht, aber die hier erwähnte Methode, lässt uns auch diese Bücher kostenlos auf die Festplatte laden.

Nachdem nun Klagen von allen Seiten auf den Konzern einprasselten, überlegten sich die hochkarätigen Google-Rechteverdreher, wie man ohne große finanzielle Einbußen, trotzdem das Urherberrecht dehnen und bestenfalls auf lange Sicht zum eigenen Vorteil ummodellieren kann. Also gebahr die Rechtsabteilung das Google-Book-Settlement.

Diese Regelung klingt zunächst ganz verlockend: Für die Nutzung von Texten im Internet bekommt man bislang meistens gar nichts, fortan immerhin etwas. Vergriffene Bücher werden auf diese Weise wieder zugänglich und werfen nun womöglich auch noch ein wenig Honorar ab. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß Google keineswegs alle Einnahmen, sondern ausschließlich die Einnahmen aus der kommerziellen Verwendung von Texten anteilig abführen wird. Für ihre nichtkommerzielle Verwendung gibt es also weiterhin kein Geld. Was das konkret bedeutet, spielt Ilja Braun in der WELT anschaulich am Beispiel von Reiseführern durch. Völlig unbestimmt bleibt darüber hinaus, an welche kommerziellen Verwendungsmöglichkeiten gedacht ist. Es ist, das ergibt sich aus den bislang veröffentlichten Unterlagen, prinzipiell jede Nutzung durch Google möglich, womit die bisher übliche Unterscheidung von Haupt- und Nebenrechten hinfällig wird. Fortan liegen sämtliche Rechte an einem von Google ganz oder teilweise verbreiteten Titel bei Google, und zwar ad libitum sowohl das Recht den Text zu verkaufen als auch das Recht ihn zu verschenken.

aus: “Google unterhöhlt das Urheberrecht. Worum geht es genau, mit welchen Konsequenzen, und wo erfährt man mehr?” von Gunther Nickel

Da ich nicht der kompetenteste Kritiker für diese rechtlichen Angelegenheiten bin, hier zwei Links, unter denen ihr euch selbst schlau machen könnt:

Soviel zur rechtlich-inhaltlichen Kritik an Google-Book-Search.


Kommen wir also zur Nutzerfreundlichkeit.
Diese wirkt auf mich zunächst verwirrend. Eine Menge Ergebnisse, aber verwirrender als jede schlecht-sortierte Fakultätsbibliothek.

Bei den erfassten, aber noch nicht in gescannter Ausgabe zur Verfügung stehenden Büchern, findet man eine Übersicht, die wissenschaftliches Lesen und Arbeiten wohl vereinfachen soll.
Über dieses Buch liefert meist ein Foto des Titels, einen kurzen Klappentext und bibliografische Angaben. Dazu gibt es noch einige Zusatzkategorien, wie z.B. Rezensionen, Referenzen von Webseiten, Referenzen von wissenschaftlichen Büchern und Weitere Ausgaben.
Schön und gut, dass man die gesamte Bandbreite an Hypertextmöglichkeiten ausschöpft, aber eigentlich wollte ich das Buch doch nur lesen.
Am Rand erfahre ich dann, dass ich es ausleihen oder kaufen kann.
Mach ich natürlich nicht, ich will’s ja kostenlos lesen und suche weiter, bis ich nach 15 Minuten Stöbern irgendwann zu dem Schluss komme, dass es noch nicht in digitalisiert er Form vorliegt, sondern nur katalogisiert wurde.
Ein kleiner Satz, wie “Dieses Buch befindet sich derzeit noch nicht im Datenbestand der Google-Bibliothek” hätte dem verwirrten Erstbesucher einige kostbare Zeit erspart und das Handgelenk geschont.

Die gescannten Bücher erscheinen in browser-interner PDF-Ansicht mit Informationen im Reiter Über dieses Buch.
Der Download als PDF-Datei ist bei vielen Büchern ebenfalls möglich.

Nun habe ich die Wahl zwischen der Seitenansicht der gescannten Seiten oder der reinen Textansicht.
Die Scans der Bücher erscheinen oft in erschreckend schlechter Qualität und ich denke mir, wenn das die endgültige Qualität sein soll, dann schüttelt es mich ob dieser Respektlosigkeit vor den alten Schätzen unserer Kultur. (Hier ein Beispiel für einen verschandelten
Goethe)
Also widme ich mich dann doch lieber der Textansicht… und schalte schnell wieder auf die Seitenabbildung um, weil die Texterkennungs-Software scheinbar noch mehr Probleme hat, den Text zu lesen, als ich.
Was “Welche Rauü>form entsteht, »eun’, sich ein Punkt bewegt?” heißen soll, erahne ich ja noch, aber wirklich Spaß macht mir das Lesen nicht mehr.

Warum der Konzern die Texte nicht nachträglich korrigiert, ist schnell erklärt: Wie soll man denn in so kurzer Zeit diese Massen an Büchern digitalisieren, um der Weltherrschaft ein Stück näher zu kommen, wenn man sich auch noch mit so etwas Lästigem wie der Qualität auseinandersetzen muss?
Schließlich geht es hier um Quantität und nicht um Qualität, verehrter Leser.
Achja… man merkt, wie sehr es Google um die Sache, den Erhalt unserer Schriftkultur, und nicht nur um das Geld geht.

Da ich nun schon mehr als genug geschrieben habe, komme ich direkt zum Fazit:
Es ist wirklich erschreckend, was mit unserer Literatur aufgrund von Macht- und Geldgier geschieht.
Ich jedenfalls, werde die Google-Buchsuche weiterhin nicht nutzen.
Erstens, weil sie enttäuschende inhaltliche und optische Ergebnisse liefert und weil ich zweitens diese Unternehmung, mit der Google seine Vorherrschaft als Wissenshändler und Internet-Monopolist weiter auszubauen versucht, nicht unterstützen will.

Was ihr macht, das bleibt wie immer euch überlassen, aber vielleicht denkt der eine oder andere nach diesem Artikel etwas mehr über diese Problematik und sein eigenes Verhalten im Internet nach.

Abschließend noch ein paar Links, um dem Marktführer mal etwas Ruhe zu gönnen und Energie zu sparen (s. Link 3):

 



P.S.: mal sehen, ob sich nach diesem Artikel mein PageRank verändert ;)

 

 

Foto von FR-Online

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