Archiv für März 2009

 

Die ganze Welt des Schreibens im Net

 

books by beratdavidEs gibt ja mittlerweile unheimlich viele Seiten über Literatur im Internet.
Schade nur, dass die meisten auf die man stößt, nicht wirklich gehaltvoll, geschweige denn anspruchsvoll oder wirklich informativ sind.
Auch was das Design betrifft, gibt es schon viele schreckliche Entdeckungen, die zum Beispiel noch das gute alte HTML-Design von 1990 präsentieren oder die Augenbeißer, mit roter Schrift auf blauem Hintergrund und überall wird man von blinkenden GIFs angesprungen (ebenfalls aus der in den 90er Jahren erworbenen Sammlung für die Homepage-Gestaltung)…

Oft sind es eben auch nur verzweifelte “Autoren”, die meinen, sie könnten schreiben und vielleicht werden sie ja über das Internet endlich von einem Verleger entdeckt.
Nagut, das Internet ist nun einmal das Medium, in dem sich jeder mitteilen darf. Nur mir schmerzt, außer den Augen und dem Kopf, mittlerweile auch schon der Nacken (vom häufigen Kopfschütteln).

Da ist es schon fast wie Urlaub, wenn man auf diese Seite und den dazugehörigen Blog stößt:

Grosse-Literatur.de – Die ganze Welt des Schreibens im Net

Meine Augen wurden endlich wieder beruhigt und konnten wieder entspannt ihrer Arbeit nachgehen.
Die Gestaltung der Seite und vor allem die Farbwahl ist wirklich sehr angenehm. Menü-Führung und die Überblicksseite sind ebenfalls unkompliziert gestaltet und nicht zu überladen.

Zu den Themen dieser Seite:
Man merkt schnell, dass sich die Seite noch im Aufbau befindet und die Autorin (Sandra) auch allein daran arbeitet. Aber dafür hat sie schon einiges geleistet.

In erster Linie geht es hier und vor allem in dem dazugehörigen Blog um Buchempfehlungen. Einerseits stellt sie gelesene Bücher mit abschließender Bewertung vor, andererseits besteht die Möglichkeit sich selbst mit einzubringen.
Entweder kommentiert man die besprochenen Bücher oder man nutzt das Formular um selbst ein Buch aus seinem Fundus vorzustellen. Falls man nicht soviel Zeit oder Geduld besitzt, aber trotzdem Mitteilungsbedürfnis hat, teilt man anderen einfach nur seine Bücher-Top-Ten mit und nimmt so an den Bücher-Charts teil.

In ihrem Kleinen Bücherzimmer kann man sich davon überzeugen, wie bibliophil die Webmasterin ist (sie ist es tatsächlich). Da werde ich wirklich ein wenig neidisch, wenn ich mir ansehe, wieviele Bücher sie schon “gefressen” hat.

Aufgrund des Homepagetitels erwartet man natürlich so etwas wie die Klassische Autoren-Rubrik, in der Goethe, Brecht & Co. auch ihren Platz bekommen.
Im Moment gibt es zwar noch nicht viele Texte oder Schriftsteller zu lesen, aber zum Stöbern für den Anfang reicht es allemal. Märchen & Sagen, eine kleine Zitate-Rubrik und das Lexikon (zwar eine gute Idee, aber dank Wikipedia nicht unbedingt nötig) stecken noch in den Kinderschuhen.
Eine derartig komplexe Homepage macht eben doch viel Arbeit für eine einzelne Person, die zusätzlich zur Seitenpflege auch noch viel Zeit zum Lesen braucht.

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung der Seite. Sie ist jedenfalls sehr vielversprechend und hat ab jetzt, genauso wie der Blog, einen Besucher mehr.

 

 

P.S.: Ihre Schreibfeder schreibt schöne Sachen.
(das war jetzt ungewollt alliteriert)

 

“Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.”

jwvgoethe…sagte einst der Geheimrat Goethe und da es auch zu kurz ist, um schlechte Blogs zu lesen:

Ein kleines Einod kam mir gestern unter die Augen: Der Goethe des Tages.
Für mich als Literaturfanatiker natürlich allein des Namens wegen ein Muss-Blog. Vor allem, weil nicht nur die Idee hervorragend ist, sondern auch dessen Umsetzung gelang.
Die Idee hinter dem Blog: Jeden Tag mit einem Zitat Goethes (derlei gibts ja mehr als genug, also wird er sich nicht allzu schnell wiederholen müssen) zu kommentieren.
Neben einem Zitat des Dichters kritisiert der Autor selbst, mit einer sprachlichen Gewandheit, auf die sein Ziehvater stolz wäre, aktuelles aus Medien, Politik und Leben. Satirisches Talent auf hohem Niveau. Ein wirklich erfrischender Blog.
Nur weiter so, Herr Geheimrat.
Sie sind
empfohlen und abonniert.

Eine etwas breitere Randnotiz zur E-Book-Diskussion

Brille mit Herz Ich überlege schon länger, ob dieser Blogartikel hier überhaupt notwendig ist. Es gibt ja mittlerweile mehr als genug Auseinandersetzungen mit dem Thema. Ganz sicher bin ich mir immer noch nicht. Was soll’s…

Dieser Blog heißt nunmal Bücher Online Lesen, also sollte ich zumindest eine Randnotiz zu dem Thema hinterlassen.
Und mehr soll es auch nicht werden, denn ganz ehrlich: Diese leidige Diskussion bringt uns auch nicht mehr Erkenntnis über die Zukunft des Buchhandels.
Nur Sony, Libreka & Co ernten die gewünschte Medienpräsenz und die Werbefirmen freuen sich wieder mal über erfolgreiches Marketing.

Ersteinmal für diejenigen, die es nicht mitbekamen oder es schlicht und einfach verdrängen:
Was derzeit durch die Medien geistert und den Buchhandel aufreibt ist nicht die erste Diskussion um E-Books:

Im September 2003 stellt die US-amerikanische Buchhandelskette Barnes & Noble den Verkauf von elektronischen Buchdateien – den sogenannten eBooks – ein. Der Betrieb der Plattform lohnt sich nicht mehr. Die Firma Microsoft, die mit dem »Reader« eine Software auf den Markt gebracht hatte, die jahrelang Bestandteil jedes windows-mobile-basierten PDAs war, entwickelt das Programm seit Juni 2003 nicht mehr weiter. Der eBook-Pionier Gemstar, der seinerzeit das Lesen von eBooks auf dem sogenannten RocketBook revolutionieren wollte, stellt ebenfalls 2003 den Verkauf der Geräte ein.

Das eBook war 2003 tot. Der Hype ums Lesen auf batteriebetriebenen Geräten war kurz nach der Jahrtausendwende beendet. Vorbei die Galaveranstaltung eines eBook-Awards in der Frankfurter Oper.

Doch dann kam alles anders, denn dann kam Amazon und brachte im Herbst 2007 mit dem Kindle plötzlich wieder ein neues Lesegerät auf den Markt. Und der eBook-Hype begann erneut.

(Quelle: Das Literaturcafé)

Nun gut, natürlich ist der jetzige Hype schon eher ernstzunehmen, da die Entwicklungen, vor allem im technischen Bereich, schlichtweg ausgereifter sind.
Die Erfindung des
Elektronischen Papiers und die Entwicklungen im Reader-Bereich (mir gefällt übrigens der Txtr sehr gut) waren sicher entscheidende Schritte, um eine erfolgreiche Vermarktung des E-Books zu ermöglichen.
Vor allem ist einfach die Gesellschaft offener für technische Innovationen geworden. Die heutige Gesellschaft wird zunehmend digitalisiert und gewöhnt sich nunmal daran, das Bürgeramt im Internet aufzusuchen, sich mit dem Handy über Google Maps in der Stadt zu orientieren oder eben Bücher digital zu erwerben.

Das Interesse am E-Book steigt zunehmend, was Forsa-Studien belegen (>golem). 2,2 Millionen Deutsche wollen sich noch in diesem Jahr ein E-Book zulegen.
Stellt sich nur die Frage wer plant, sich einen dieser Reader für 300 € zuzulegen (oder besitzt ein anderes Gerät zur Darstellung)?
Und ob alle 2,2 Mio ebenfalls wissen, dass ein E-Book ungefähr genauso teuer sein wird, wie das papierne Gegenstück? – Das bezweifel ich.

Und genau da liegt das Buch begraben.(schlechtes Wortspiel, ich weiß ;) )
Gerade in der heutigen Zeit, in der man sich mehrmals überlegt, wofür man sein Geld ausgibt, findet ein Reader für 300€ beim Normalverbraucher nicht viel Anklang.

Habe ich die Wahl, einen einfachen Belletristikroman für das gleiche Geld im Buchhandel zu erstehen, wie sein elektronisches Pendant im Internet, brauche aber zusätzlich einen Reader, um es unterwegs zu lesen, entscheide ich mich wofür?

Richtig! Das vertraute Paperback, das ich in der Buchhandlung beim Einkaufsbummel in der Innenstadt erstehe. Das gewichtige Buch, dessen Druckerschwärze-auf-Papier-Geruch mir so vertraut ist. Das Buch, dass es vielleicht sogar als Mängelexemplar in der Auslage gibt, weil ein paar Seiten geknickt sind oder der Drucker auf ein paar Seiten nicht mehr so richtig wollte.
Das Buch eben.
Und nach dem Lesen atmet es entspannt in meinem Bücherregal und verrät meinen Gästen sicher viel über mich. (oder es beeindruckt die neue, belesene Bekanntschaft ;) – zum Angeberthema
dieser Kommentar)

Bei der FAZ beschreibt Don Alphonso sehr treffend die Typen, die im Moment potentielle E-Book-Käufer darstellen:

- Informatiker und andere Techniker, deren Fachbücher schnell veralten, und die eine besonders ausgeprägte Neigung haben, sich dergleichen als Download ohne Kosten aus dem Netz zu besorgen. Ich kenne Informatiker, die ganze Bibliotheken auf ihrem Rechner haben, und nie einen Blick hineinwerfen. Der Baudrillard und der Wittgenstein stehen aber weiterhin in Papier im Schrank.

- Manager, Juristen und Berater, die diesen ruckzuck-supermobilen Lebensstil bis in den Buchkonsum ausdehnen. Manche brauchen sogar tatsächlich sowas wie eine Handbibliothek für unterwegs, und gerade juristische Texte müssen häufig ergänzt werden. Es gibt tatsächlich so etwas wie einen kleinen Markt für diese Art Profiliteratur.

- Downloader, die downloaden, weil man es downloaden kann und downloaden cool ist, und damit die 79 Gigabyte ungehörte Musik einen Spielkameraden auf der Festplatte haben, wenn der Downloader den [Hier streiikt das Blogsystem]-Ordner bemüht.

- und die Gruppe, die von allen am wenigsten sexy ist: Die verhinderten Autoren, denen Verlage unverschämte Briefe mit Absagen für ihre epochalen Romane des 21. Jahrhunderts schicken, die sich aus irgendwelchen Gründen die Schmach eines Zuschussverlages nicht leisten können oder wollen, und nun ihre Bücher im Internet veröffentlichen, in der Hoffnung, dass die Netzleser die wahren Qualitäten zu erkennen wissen.

(aus: Sexvergleich: Buch vs Ebook)

 

Nun hab ich doch einen ziemlich breiten Rand für meine Notiz gebraucht…
Also komme ich ohne weitere Umschweife zum Fazit:

Das gedruckte Buch ist noch lange nicht bedroht.
Mit dem E-Book eröffnen sich einige interessante Vorteile und Möglichkeiten, vor allem für das wissenschaftliche und zeiteffizientes Arbeiten.
Viele Verleger werden sich den Kopf zerbrechen, wie man sich vor den bösen Raubkopierern (die es übrigens schon seit Jahren gibt und mehr Bestseller digitalisiert anbieten als E-Book-Händler) schützen kann.
Man wird häufiger E-Book lesende Studenten oder ITs mit iPods in der Bahn oder im Park sehen. Und Bibliotheken und Buchhandlungen werden Ladestationen besitzen.

Aber der gute alte “Schinken” stirbt mit Sicherheit nicht aus. Dafür lieben wir es zu sehr, das Papier zu berühren, das vertraute Geräusch beim Umblättern, den Geruch von Druckerschwärze und vor allem lieben wir (und Ikea) unsere Bücherregale. :-)

Also nochmal für alle Panikmacher zum mitschr…kopieren und einfügen:
Die Welt wird nicht untergehen!

Readability – Ungestörtes Lesevergnügen

Wie ich schon in meiner Besprechung des Projekts Gutenberg-DE erwähnte, nervt es mich unheimlich, wenn sich tausend blinkende Banner und Bildchen ununterbrochen um meine Aufmerksamkeit bemühen, während ich dabei bin Bücher und Texte zu lesen.

Vielleicht bin ich nur überempfindlich oder leicht abzulenken während ich lese, aber Tatsache ist: es nervt. Ich will reinen Text. Schwarz auf Weiß. Bestenfalls in großen Lettern, damit ich mich mit meiner Tasse Tee auch mal zurück lehnen kann.

Und endlich bin ich auf meiner Reise durchs Internet auf kreative Köpfe gestoßen, die nicht nur genauso denken, sondern auch noch programmieren können (was ja nun wirklich nicht meine Stärke ist).
Die Tüftler von arc90 haben in ihrem Labor ein Tool (oder neologistisch Bookmarklet) entwickelt, das mir das leidige “copy & paste” erspart: Readability heißt es und ich liebe es! :-)
Es soll zwar noch nicht auf jeder Seite funktionieren, aber auf den bisher getesteten klappte es, bis auf kleine Verknüpfungsfehler, schon ganz gut.

Und da Projekt Gutenberg-DE im Moment mal wieder überhaupt nicht mit bunten Aufmerksamkeitsräubern spart, erläutere ich das Prinzip mal auf dieser Seite:

 

Zunächst geht man auf diese Seite und wählt sich seine gewünschten Einstellungen (Stil, Schriftgröße und Randbreite).

Dann zieht man nur noch den Readability-Button in seine Lesezeichen und das glückliche Online-Leser-Leben kann beginnen.

readability

Dann geht man zur quietschebunten Gutenberg-Seite, denkt sich seinen Teil zum Design, freut sich aber schon über die baldige Leserlichkeit. Nun einfach nur auf das Readability-Bookmark(let) klicken…

Gutenberg 1

…und ungestörtes Lesevergnügen genießen.

Gutenberg 2

Bisher funktionieren leider nur Textlinks, da die Bilder ja eliminiert werden, aber das ist bei den meisten Texten kein großes Problem.
Um wieder auf die ursprüngliche Seite zu gelangen drückt man auf  Reload Page.

Ich denke, wenn die Entwickler das Experiment noch weiter bearbeiten und die Beta-Krankheiten heilen können, wird es mit Sicherheit mein “Tool des Jahres”.

Danke, liebe Entwickler! :-)

 

 

Wikisource – Bücher, Zeitschriften, Dokumente

Logo von Wikisource Kommen wir zum nächsten Kandidaten aus der kostenlosen digitalen Bücherwelt.
Wikipedia kennt man ja. Wissen für alle kostenlos zugänglich machen und miteinander teilen. Mittlerweile ist die „Wikimedia Foundation Inc.“ ein etabliertes Unternehmen und Wikipedia bekam immer mehr Schwestern in unterschiedlichen Bereichen.

Im Bereich der Digitalisierung von Büchern und Texten entstand Wikisource: Ein stetig wachsender Quellenlieferant, der die Welt der elektronischen Texte ebenso revolutionieren und dominieren wird, wie die große Schwester „Pedia“ den Enzyklopädiebereich.

Das Quellen-Projekt begann zunächst unter dem Namen „Project Sourceberg“ am 24. November 2003 in Anlehnung an den digitalen Buch-Pionier „Project Gutenberg“.
Nach einer Abstimmung (demokratisches Wiki, so kennt man’s ja  ) taufte man es in Wikisource um.
So sah es dann auch der großen Schwester ähnlicher und wiki (hawaiianisch für schnell ) ging es wirklich voran.

Nach dem offiziellen Start (6. Dezember 2003) verzeichnete das Projekt zur Sammlung gemeinfreier Texte bereits nach zwei Wochen über 1000 erstellte Seiten.
Waren es Anfang 2004 noch 100 registrierte Autoren, schrieben sich im April schon 500 registrierte Nutzer die Finger wund und man verzeichnete mittlerweile über 2400 Artikel.
Wikisource wuchs ebenso rasant wie einst die „Schwester pedia“.
Denn schon ein Jahr später hatten die mittlerweile 2500 Benutzer schon 17.000 Artikel verfasst.
Und so ging es beständig weiter.

Da das Projekt ebenso wie Wikipedia weltweit und mehrsprachig läuft, gliederte die Foundation es in einzelne Sprachversionen. Diese werden auch auf inhaltlicher Ebene getrennt und teilweise sehr unterschiedlich verwaltet.(hierzu mehr im Finanzer-Blog)
Da es mir in diesem Blog vornehmlich um deutschsprachige Texte und Bücher geht, konzentriere ich mich auf den deutschen Ableger. (ist eh der professionellste )

„Der deutschsprachige Projektzweig hegt seit seiner Neukonzeptionierung im Frühjahr 2006 den Anspruch, E-Texte wissenschaftlich verwertbar zu präsentieren. Das schließt korrekte Angaben der Textquellen ein, sowie das Bereitstellen gescannter Vorlagen. In den durch OCR oder manuelles Abtippen daraus gewonnenen Rohtexten lesen die Mitarbeiter des Projektes kollektiv Korrektur, sie erlauben auch dem späteren Leser eine zusätzliche Kontrolle. Auf diese Weise soll die Zitierfähigkeit der Texte gewährleistet werden. Als Textgrundlage sollen ausschließlich maßgebliche Ausgaben verwendet werden.“ („Wikisource“. In: Wikipedia)

Manchmal macht sich deutsche Akribie eben doch bezahlt.
Beim Vergleich der verschiedensprachigen Projekte, kommt man schnell zu dem Schluss, dass andere Sprachgebiete vielleicht in Quantität (siehe Englisch, Spanisch, Französisch) überlegen sein mögen. Aber was die Qualität der bereitgestellten Texte betrifft, ist die deutsche Variante im Moment einfach vorbildlich.
Besonders die Tatsache, dass die Texte überwiegend mit Quellenangaben und Scans (meist verlinkt zu Google oder Commons) versehen sind, ermöglicht wissenschaftliches Arbeiten. Das ist schließlich eines der wichtigsten Kriterien für digitale Bibliotheken.

Natürlich dauert das Einpflegen der Datenbestände mit anspruchsvollen  Richtlinien länger, was aber nicht unbedingt heißt, Wikisource hätte wenig zu bieten:

„Seit heute (=28. Dezember 2008) hat Wikisource 10.000 Werke in seinem Bestand. Diese Zahl umfasst über 4100 Gedichte, 32 Romane und rund 2000 Gesetze, Anordnungen und Erlasse. Hinzu kommen 150 Flugschriften und Einblattdrucke, 31 Handschriften und vielerlei andere Texte. Zur Erschließung dieser Texte gibt es bei Wikisource außerdem noch über 1500 Autorenseiten, 164 Themenseiten und 75 Seiten zu Orten und Regionen. Der Umfang der Werke reicht vom 4-zeiligen Gedicht über mehrbändige Chroniken bis hin zur Allgemeinen Deutschen Biographie mit 56 Bänden.“ (aus dem Finanzer spinnt-Blog)

Schon beachtlich, was viele unterschiedliche Menschen, mit einem gemeinsamen Ziel, in kurzer Zeit zusammen erreichen können.
Man muss auch dazu sagen, dank der übersichtlichen Struktur und den umfangreichen Informationen zur Nutzung, haben auch unerfahrene Neulinge die Möglichkeit, sich schnell an dem Projekt zu beteiligen. (Registrierung optional)
Es kann und wird über jedes Detail dieser Plattform diskutiert und jede wichtige Entscheidung demokratisch abgestimmt.
Aber entscheidend für die Qualität der Inhalte und der Oberfläche sind die anfangs festgelegten Richtlinien, an die sich auch jeder hält.

Wie der Name Wikisource schon sagt, geht es hier nicht nur darum die klassischen Bücher der Weltliteratur zu präsentieren.
Es soll keine reine Unterhaltungsplattform sein, sondern in erster Linie eine Quellenbibliothek und eine Anlaufstelle zum (wissenschaftlichen) Arbeiten mit Quellentexten.

Und genau das funktioniert hier besser als in jeder Unibibliothek (auch wenn die Unibibliothek wissenschaftlich unumstrittener ist ).

Bei vielen Texten findet man ergänzende Editorials, Zusatzinformationen zu Autor und Inhalt, Bilder, Karten, Tondokumente, Verknüpfungen zu den anderen Wiki-Projekten (z.B. Commons, Wikipedia, Wikiversity) und zu verwandten Artikeln….
Für jeden Wissenshungrigen, sei’s aus Neugier oder Studium, heißt das, er bekommt alles gebündelt an einem Ort. Kurzum ein Quellenparadies.

Ich könnte noch endlos über die Inhalte (z.B. Gesprochene Wikisource) und Vorzüge von Wikisource schreiben, aber da ich eh schon genug geschrieben habe…es ist kostenlos, also:
Schaut’s euch selbst an!

(achja…Mitmachen nicht vergessen!)

 

 

 

Augenschmeichelei hoch2

 

Da ich auf meiner Reise durch die Blogs auf diese kleine Perle gestoßen bin, wollte ich euch das nicht vorenthalten.

Jeder der dem hektischen Alltag mal für ein Weilchen entfliehen möchte oder einfach nur ein paar gut ausgewählte Gedichte lesen will, sollte mal bei der lyric gallery reinschauen.

Die Autorin stellt hier im Gemeinschaftsprojekt Gedichte von bekannten und unbekannten Autoren vor. Und damit man nicht nur was zu lesen sondern auch was zum bloßen Anschauen genießen kann, gibt es zu jedem Gedicht eine passendes Bild aus den Bereichen Fotografie und Malerei. Die Seite erzeugt eine angenehm ruhige Stimmung, die zum Lesen und Verweilen einlädt.

Besonders gefällt mir, dass die Poeme der bekannten Dichter eben nicht die üblichen Verdächtigen sind, sondern mit einem offenen Auge aus den Büchern gefischt wurden.

Wer selbst schreibt, der kann seine lyrischen Ergüsse auch an die Autorin der Seite schicken und erscheint vielleicht auch bald illustriert in ihrem Blog.

Einen kleinen konstruktiven Kritikpunkt kann ich mir nur grad nicht verkneifen: Ich finde die Bilderrahmen könnte man etwas reduzieren oder ganz weglassen. Aber gut, das ist mein subjektives Empfinden ;)

Zum Schluss ein lyrisches Schmankerl, das ich beim Stöbern in dem Blog entdeckt hab:

 

Siehe auch ich – lebe

Also ihr lebt noch, alle, alle, ihr,
am Bach ihr Weiden
und am Hang ihr Birken,
und fangt von neuem an,
euch auszuwirken,
und wart so lang nur Schlummernde,
gleich mir.

Siehe, du Blume hier, du Vogel dort,
sieh, wie auch ich von neuem mich erhebe …
Voll innern Jubels treib ich Wort auf Wort …
Siehe, auch ich, ich schien nur tot.
Ich lebe!

Christian Morgenstern
1871-1914

 

Nett gedacht, schlecht gemacht

 

Gutenberg
Dieses Projekt kennt wahrscheinlich jeder, der schon einmal klassische deutsche Literatur im Internet gesucht hat. Gibt man beispielsweise „goethe werther“ bei Google ein, erscheint an vierter Stelle der Link zum Text bei Gutenberg-DE. Stellt sich nur die Frage, ob der Erste auch der Beste ist.


Erst einmal ein paar Worte zur Geschichte.
1994 gründete der Informatiker Gunter Hille das Projekt, das bewusst den Namen in Anlehnung an das internationale Project Gutenberg wählte. Außer dem Namen und dem Urgedanken haben die Projekte nur wenig gemeinsam.

Anfangs noch ein kleines, idealististisches Hobby (erstes Buch: Max und Moritz), wird das Projekt seit 1995 unter der Firma Hille+Partner GbR geführt und digitalisiert und veröffentlicht Werke, deren Copyright abgelaufen ist. (70 Jahre nach dem Tod des Verfassers bzw. des Übersetzers bei ausländischen Werken erlischt das Copyright des Buches)
Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich über Werbung und Sponsoren. Wobei die Einnahmen aus anderen Bereichen in den letzten Jahren zunehmen. Neben dem hauseigenen Online-Shop, der u.a. eine DVD mit dem Gesamtbestand und eigene Bücher-Editionen anbietet, kann man sich für 1,99€ Handy-Bücher bestellen. (Naja, wer’s braucht ;) )
In Zusammenarbeit mit dem HörGut! -Verlag und soforthoeren.de vertreibt Gutenberg-DE außerdem noch Hörbücher.
Seit 2002 hat das Projekt Gutenberg-DE bei Spiegel-Online sein neues Zuhause (vorher von AOL gehostet). Der neue Sponsor stellt dem Projekt einen Rechner zur Verfügung, übernimmt die Kosten für die Internetanbindung und gibt technische Unterstützung.
Die auf der Seite erwähnten “harten Kosten wie Miete, Buchkauf, Geräte usw.“ dürften somit ganz gut gedeckt sein.

Nun aber zum Inhalt.
Gutenberg-DE beziffert den digitalisierten Bestand (Stand Dezember ’08) mit mehr als 4.800 Büchern, ca. 20.000 Gedichten, 1.800 Märchen, 1.200 Fabeln und 3.500 Sagen.
Damit bietet das Projekt derzeit das größte Angebot im Netz, was die deutschsprachige Literatur betrifft.
Nur ist Masse leider nicht gleich Klasse.

Was mich als Leser in erster Linie stört, ist ganz klar das Design der Seite.
Der mickrige Text (12 pt, Arial), der außerdem nur im html-Format verfügbar ist, verschwindet hinter viel zu vielen bunten Randerscheinungen, sprich die bunte Werbung nervt beim Lesen. Deswegen bleibt mir nur die Option, den Text zu kopieren und in einem Texteditor größer und weniger von bunten, blinken Bildchen abgelenkt zu lesen.
Nur wird das auch nervig, wenn man ständig markieren und kopieren muss.
Da wären wir auch schon beim Hauptproblem:
Die Texte sind viel zu stark, ohne Rücksicht auf die Texteinheit, zerstückelt und komplett herunterladen darf man nicht.
Ein wenig paradox, liebe Betreiber. Das Projekt soll dem Bibliophilen copyright-freie Literatur zugänglich machen, erhebt aber gleichzeitig einen uhrheberrechtlichen Anspruch auf alle Inhalte des Gutenberg-DE-Projekts. Soviel zum Thema: “freier Zugang”…

Die Digitalisierung der Texte übernimmt größtenteils das Projekt Gemeinsam an Gutenberg arbeiten ( www.gaga.net ). Hier kann jeder Korrektur lesen, der sich angemeldet hat. Was natürlich zu mehr Fehlern führt, als ein vernünftiges Lektorat.
Dies und die Tatsache, dass Originalquellen nicht angegeben werden, verhindert jegliche Verwendung der Texte zum wissenschaftlichen Arbeiten.

Ergo: man kann die Texte schwer lesen, umständlich drucken, darf und kann sie nicht zur wissenschaftlichen Arbeit nutzen und auf den eigenen Rechner laden ist auch nicht erlaubt. Irgendwie traurig…

Aber zumindest bleibt uns noch die Möglichkeit, Textstellen für E-mail, Forum, Blog oder Chat zu kopieren.
Sehr nett. Und dafür der jahrelange zeitliche und finanzielle Aufwand?

Mein Fazit :

Gutenberg-DE umfasst den wohl größten Datenbestand digital-erfasster, deutschsprachiger Literatur, nur leider nutzt mir das, als papierverwöhnten Bibliomanen, nicht viel, wenn die Grundlage für Literatur derart missachtet wird: Lesbarkeit .

Der Grundgedanke des Projekts, Literatur frei und für alle zugänglich zu machen, scheitert an dieser doch sehr merkwürdigen Copyright-Politik der Firma Hille+Partner .
Die Seite ist derzeit maximal geeignet zum Stöbern in klassischer deutscher Literatur.
Man kann alte Schätzchen entdecken, um sie sich entweder woanders im Internet komplett zu besorgen oder das gute alte Buch zu kaufen.
Da es mittlerweile mehr als genug wirklich freie Literatur im Internet gibt, glaube ich nicht, dass Gutenberg-DE so noch lange bestehen kann … Schade eigentlich.

Link:

Gutenberg-DE


 

 

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